“Backstage” im Museum im Lagerhaus

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Backstage – Highlights und Neuentdecktes aus 30 Jahren

28.8.2018 – 13.1.2019
Museum im Lagerhaus | CH-St.Gallen

Backstage (engl.: „hinter der Bühne“) ist eine Bezeichnung für den Betriebsbereich einer Bühne, der für das Publikum nicht sichtbar und normalerweise nicht zugänglich ist. Backstage halten sich Künstlerinnen und Künstler üblicherweise während der Proben oder einer Aufführung auf. Nur den „Stars“ und den engsten MitarbeiterInnen ist es erlaubt, dieses Areal zu betreten.

Ähnlich geht es den Gästen eines Museums. Sie können zwar Werke in den Ausstellungsräumen betrachten, mehr Einblicke bleiben ihnen jedoch verwehrt. Damit soll für einmal Schluss sein. Zum 30. Geburtstag des Museum im Lagerhaus und im Rahmen einer zweijährigen, umfassenden Sammlungsaufbereitung widmet sich die Sammlungsausstellung „Backstage“ nun erstmals sämtlichen Bereichen des Museumsalltags. Sie lädt zu einer Ausstellungs-Tour ein, die in fünf Themenbereichen zahlreiche Werke aus der weiten Welt der Outsider Art zeigt, Neuentdeckungen ins Licht rückt und bekannte Highlights präsentiert. Darüber hinaus ermöglicht sie aber auch, intensive Blicke hinter die Kulissen zu werfen. Sie offenbart, wie es in den Archivräumen eines Museums aussieht und gibt Auskunft über unterschiedliche museale Tätigkeitsfelder, zum Beispiel die Inventarisierung oder Lagerung von Werken. Ausserdem bietet sie Gelegenheit, Menschen, die dem Museum nahe stehen, zuzuhören und Künstlerstimmen aus dem Jenseits zu belauschen.

30 Jahre Museum im Lagerhaus
Im Jahr 1988 wurde die Stiftung für schweizerische Naive Kunst und Art Brut in St. Gallen auf Grundlage von Werkeingaben der drei Sammlerehepaare Burgauer, John und Schaufelberger sowie weiterer SammlerInnen gegründet. Diese Werke bildeten den Ausgangspunkt für das zusammen mit der Stiftung gegründete Museum im Lagerhaus. Es begann eine umfangreiche Sammeltätigkeit zu der die Öffentlichkeit durch Ausstellungen Zugang bekam. Von damals bis zum heutigen Tage finden regelmässig weiter Werke Eingang in den Museumsbestand. Im Jahr 2017 konnte das 2-Jahres-Projekt „Aufarbeitung und Sicherung des Sammlungsbestandes“ in Angriff genommen werden. Nach 28 Jahren Museumsbetrieb wurde erstmals damit begonnen, den auf rund 35‘000 Artefakte geschätzten Sammlungsbestand detailliert aufzuarbeiten: Durch Sichtung, umfassende Katalogisierung in Text und Bild sowie konservatorische Massnahmen. Bekannte Werke wurden mit wertvollen Zusatzinformationen ergänzt. Wenig erschlossene Arbeiten wurden ausführlicher dokumentiert und konnten oft sogar erst jetzt einem Autor/einer Autorin zugeordnet werden. Und immer wieder wurden gar Werke entdeckt, die seit Jahren unbemerkt im Museumsarchiv schlummerten. Ergebnisse daraus zeigt nun die Jubiläumsausstellung „Backstage“.

Hans Schärer, Ohne Titel, 1974. Foto © Museum im Lagerhaus

Highlights – Neues – Neu-Entdecktes
Aus der Sammlung werden die Besucher bekannte Highlights, etwa von Ulrich Bleiker, Anny Boxler oder Hans Krüsi präsentiert bekommen. Darüber hinaus wird auch Zugang zu Werken gegeben, die bisher noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Hierzu zählen die filigranen und kleinformatigen Blüten-Collagen der Olga Bücheli – eine Künstlerin, deren Lebensdaten im Dunkeln liegen. Auch werden selten gezeigte Bijoux wie die perspektivisch abenteuerlichen Hotelinnenräume von Brida Lazzarino zu entdecken sein. Schliesslich kommen spannende Neuzugänge zum Zuge: Beispielsweise den facettenreichen Philippe Saxer und seine Zeichnungen aus Tusche und Rötel oder auch die Gobelinkünstlerin Emily Salz und ihre gestickten Märcheninterpretationen.

Themenwelten
Die Schau setzt insgesamt fünf Themen in Szene, die besonders typische Motive der Outsider Art vorstellen. Unter dem Titel „Home, sweet home“ werden Kunstschaffende vorgestellt, vornehmlich die „Naiven Schweizer“, und wie diese ihre Heimat erleben. Mal in zarten Bleistiftstrichen, mal in kräftigen Acrylfarben, dann mit Betonfiguren oder als hölzerne Objekte bilden sie detailreich ab, womit und wofür sie leben. Egal ob Appenzeller Bauerntrachten, fette Kühe, Silvester-Chläuse oder der St. Galler Dom: In „Home, sweet home“ rückt die Ausstellung Themen der Region ins Zentrum und macht die schillernde Bandbreite heimatlicher Motive sichtbar.

Beim zweiten Thema „Point of View“ geht es um Selbstbeobachtung, Selbstreflexion, Selbstempfindung sowie die Frage nach dem realen und nach dem idealen Selbst – wohl jeder Mensch hat schon mit diesen und anderen Aspekten seiner selbst gerungen. Damit ringen auch die Kunstschaffenden der Museumssammlung und erschaffen im Zuge der Auseinandersetzung zahlreiche Selbstporträts. So verschieden die Charaktere ihrer Schöpfer sind, so unterschiedlich sind auch diese Bildnisse. Vom naturalistischen Frauenkopf über abstrakt und hektisch gemalte Schädelformen bis hin zu an Karikaturen erinnernde Wiedergaben des eigenen Gesichts – der Vielfältigkeit sind keine Grenzen gesetzt. Bei „Backstage“ sollen die Betrachter in das faszinierende, jahrhundertealte und schier grenzenlose Thema des Selbstporträts eintauchen können.

In „Body and Soul“ geht es um andere Aspekte des Selbst: von lustvoller Körperhaftigkeit bis hin zu beklemmender Sexualität. KünstlerInnen des Museums befassen sich immer wieder mit diesen Aspekten des Leibes und des sinnlichen Erlebens. Sie stellen sich, ihre Empfindungen und ihre Mitmenschen mal gnadenlos, mal ängstlich oder komisch dar. In einem breiten Werk-Spektrum soll den BesucherInnen eine Übersicht dazu gewährt werden.

Das vierte Thema „Hello Darkness…“ befasst sich mit den dunklen Momenten des Lebens, welche innerhalb der Sammlung zu entdecken sind und uns mit der Frage der Lebenspein ihrer Schöpfer konfrontieren. Immer wieder schimmert die Auseinandersetzung mit psychischen Ausnahmeerlebnissen, dem persönlichen Selbstverlust wie auch einem geradezu „über“-intensiven Wahrnehmen der eigenen Innen- und Aussenwelt durch. Die Schau möchte die BetrachterInnen zum mutigen Hinschauen animieren.

„Wonderland“ setzt als fünfter Themenbereich von „Backstage“ einen lebensbejahenden Kontrast zu „Hello Darkness…“. Denn nicht nur die düstere Seite der menschlichen Seele und Imagination findet sich in auffälliger Zahl in den Werken der Sammlung. Auch ihr leuchtendes Gegenstück – das Phantastisch-Schöne, Glückstaumelnde und vor Freude Sprühende ist allgegenwärtig. Das soll den MuseumsbesucherInnen keineswegs vorenthalten werden und daher werden ausgewählte Arbeiten dazu gezeigt.

Mehr Infos unter www.museumimlagerhaus.ch

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