“SOPHIE CALLE. WAS BLEIBT” im Kunstmuseum Ravensburg

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In Anbetracht der aktuellen Situation sowie der Entscheidung der Stadt Ravensburg, ab Montag, den 16. März 2020 alle städtischen Museen zu schließen, wird auch das Museum Ravensburger seinen Betrieb bis auf Weiteres einstellen.

SOPHIE CALLE. WAS BLEIBT

7. März 2020 – 7. Juni 2020
Kunstmuseum Ravensburg

Mit der Einzelausstellung »WAS BLEIBT« zeigt das Kunstmuseum Ravensburg nach 15 Jahren eine der umfangreichsten Werkschauen der renommierten französischen Konzeptkünstlerin Sophie Calle (*1953) in Deutschland. Anhand von sechs Werkserien mit Arbeiten von 1986 bis 2019 rückt die Ausstellung das Abwesende und dessen Weiterleben in der Erinnerung in den Mittelpunkt.

Sophie Calle ist eine virtuose Erzählerin, die ihre Geschichten im Spannungsfeld von fotografischem Bild und Text ausbreitet und die Imaginationskraft des Betrachters einbindet. Ihre Werke sind Dokument und Fiktion zugleich. Sie laden ein zu Neugier, Empathie und Selbstbefragung. Die verschiedenen Werkgruppen verhandeln existentielle Themen wie Tod, Verlust, Trauer, familiäre Beziehungen, Blindheit und Geschichtskultur und lenken den Blick auf das Verschwundene und dessen Fortbestehen in der Erinnerung. Dabei thematisieren die präzise inszenierten Gegenüberstellungen von Fotografie und Text sowohl Sophie Calles eigenes Leben als auch das der Anderen und machen weder vor der persönlichen noch der fremden Intimsphäre halt. Bereits in den frühen 1980er-Jahren wurde Sophie Calle durch ihre BildText-Kombinationen bekannt, in denen sich die Grenzen zwischen Kunst und Leben, privat und öffentlich auflösen. Aktuelle Debatten des digitalen Zeitalters zur Imagekonstruktion und zum Verschwimmen von Realität und Fiktion hat sie mit ihren Arbeiten vorweggenommen.

Ausgangspunkt ihrer Werkserien sind akribische Recherchen, gesellschaftliche Beobachtungen, Interviews und autobiografische Fragestellungen. Die gesammelten und inszenierten Spuren verknüpft Calle mittels Bild und Text zu eindrücklichen Erzählungen, die durch die inneren Bilder und Assoziationen der Betrachter weitergeführt werden. Zentrale Themen der drei Werkserien »Les Tombes« (Die Gräber) (1990), »Série Noire« (2018) und »Ma mère, mon chat, mon père et moi, dans cet ordre« (Meine Mutter, meine Katze, mein Vater und ich, in dieser Reihenfolge) (2012–2019) sind Reflexionen über die eigenen familiären Beziehungen, über Tod und Trauer sowie die Frage, wie wir mit diesen Emotionen im Privaten und in der Öffentlichkeit umgehen. Die letzt-genannte Werkgruppe stammt aus der seit 1988 entwickelten Serie »Autobiographies« (Autobiografische Geschichten), in der Sophie Calle den Blick auf ihr eigenes Leben richtet. Im Zentrum der Arbeiten steht der Verlust ihrer Mutter, ihrer Katze und ihres Vaters, die in dieser Reihenfolge verstorben sind, sowie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Im Zusammenspiel von Fotografie und Text berichtet Calle vom Umgang mit dem Tod, vom Abschiednehmen, von der Anteilnahme und vom Gedenken.

Ausstellungsansicht SOPHIE CALLE. WAS BLEIBT mit Arbeiten von Les Aveugles,
Kunstmuseum Ravensburg, 2020, © Sophie Calle / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / Courtesy of
the artist and Perrotin, Foto: Wynrich Zlomke

Wie wir mit dem Verlust eines geliebten Menschen oder Bekannten umgehen, ist auch Thema der »Série Noire«. Das Erscheinungsbild der gerahmten Bücher ist der gleichnamigen Reihe düsterer amerikanischer und französischer Kriminalromane nachempfunden, die ab 1945 vom Verlagshaus Gallimard publiziert wurde. Sophie Calle verknüpft einzelne Titel dieser literarischen Gattung wie bspw. ›Sans espoir de retour‹ (Keine Hoffnung auf Rückkehr) mit pragmatischen Fragen rund um unseren Umgang mit analogen und digitalen Kontaktdaten von Verstorbenen – Fragen, denen wir uns stellen müssen, aber die wir in der Regel nicht auszusprechen wagen. Auf dem Boden des Ausstellungsraums hat Sophie Calle die vielteilige Arbeit »Les Tombes« platziert, mit Aufnahmen von Grabstätten, die auf einem Friedhof in der Nähe von San Francisco entstanden. Durch die Aufnahmeperspektive rückt Calle Verwandtschaftsbezeichnungen wie ›Vater‹, ›Mutter‹, ›Sohn‹, ›Schwester‹ in den Fokus.

»Les Tombes« lässt zum einen über die Rolle nachdenken, die die Toten im Leben anderer Menschen einmal gespielt haben könnten, zum anderen über familiäre Beziehungen und deren Verlust. An was erinnern wir uns? Wie zuverlässig sind Erinnerungen, und welche Formen nehmen sie an? Diese Fragen spielen auch in den Werkserien »Detachment« (Die Entfernung), 1996 und »La Dernière Image« (Das letzte Bild), 2010 eine zentrale Rolle. In Berlin machte sich Sophie Calle auf die Suche nach den Spuren, die die politischen Umwälzungen nach der Wiedervereinigung hinterlassen haben. Ihr besonderes Interesse galt den politischen Denkmälern des kommunistischen Herrschaftssystems, die sukzessive aus der Öffentlichkeit entfernt wurden. Calle kombiniert in »Detachment« Fotografien von den Leerstellen mit den Aussagen interviewter Passanten. Die Texte verdeutlichen, wie gegenwärtig das Verschwundene noch im Bewusstsein der Menschen ist, und offenbaren zugleich, wie sehr sich die Erinnerung ›entfernt‹.

In »La Dernière Image« befragt Calle Menschen, die durch eine Augenkrankheit blind geworden sind, nach ihrer Erinnerung an das letzte Bild, das sie sahen. Calle versucht festzuhalten, was zu verschwinden droht, indem sie die Aussagen der Blinden durch von ihr nachempfundene Fotografien ergänzt. Bereits in den 1980er-Jahren setzte sich Sophie Calle mit Blindheit auseinander und befragt in »Les Aveugles« (Die Blinden), 1986 Blindgeborene nach ihrer Vorstellung von Schönheit. Calle zeigt S/W-Porträts der Blinden, überführt deren Aussagen in die für sie charakteristische kurze, sachliche Textform und lässt die fotografischen Aufnahmen als Stellvertreter für die beschriebenen mentalen Bilder fungieren. Das Abwesende, die Fragilität der Erinnerung und die Kraft der Imagination spielen in all diesen Werken Sophie Calles eine zentrale Rolle.

Die Arbeiten von Sophie Calle wurden weltweit in renommierten Museen ausgestellt, u. a. in Einzelausstellungen im Nagasaki Prefectural Art Museum, Nagasaki, Japan (2016), Castello di Rivoli, Turin, Italien (2014), Isabella Stewart Gardner Museum, Boston, USA (2013), Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk, Dänemark (2010), Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Deutschland (2004). 2007 vertrat Sophie Calle Frankreich auf der Biennale in Venedig, 2010 erhielt sie den Hasselblad Award und 2002 Spectrum – Internationaler Preis für Fotografie. Die Ausstellung »WAS BLEIBT« knüpft mit drei von sechs Werkzyklen an die Einzelausstellungen im Fotomuseum Winterthur und Kunstmuseum Thun in der Schweiz an (2019), wurde von ARTER produziert und vom Institut français in Paris gefördert.

Alle Infos unter www.kunstmuseum-ravensburg.de

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