Fokus: Expressionismus. Sammlung Selinka

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Kunstmuseum Ravensburg
17. Oktober 2020 bis 7. Februar 2021

Fokus: Expressionismus. Sammlung Selinka

Die Ausstellung zeigt mit 42 Werken ausgewählte expressionistische Arbeiten aus der Sammlung Selinka des Kunstmuseum Ravensburg. Etwa zwei Drittel der Sammlung bestehen aus Werken des Expressionismus, vorwiegend aus Arbeiten der Künstlergruppe »Brücke« (1905–1913). Die Werkschau setzt einen Schwerpunkt bei den 1910er-Jahren und gibt einen Einblick in fast die Hälfte der Neurahmungen, die in den letzten beiden Jahren erfolgt sind. Zeitgleich wurden alle Arbeiten auf Papier restauratorisch betreut und von ihren Passepartouts befreit, sodass ein unverstellter Blick auf das gesamte Blatt möglich ist.

Otto Mueller, Adam und Eva, 1920–1923, Lithografie, Sammlung Selinka, Foto: Wynrich Zlomke


Die jungen Künstler, die man heute unter dem Begriff »Expressionismus« zusammenfasst, lehnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die beengenden gesellschaftlichen Strukturen sowie die traditionelle akademische Malerei auf. Die größte Bekanntheit erlangten die Künstlergruppe »Brücke« in Dresden und später Berlin sowie die Künstlervereinigung »Der Blaue Reiter« in München. Angeregt durch lebensreformerische und psychoanalytische Bewegungen zu Beginn des Jahrhunderts verkörperten sie ein neues Lebensgefühl. Entgegen der vom industrialisierten Arbeitsprozess fremdbestimmten und durch den Wilhelminismus reglementierten Gesellschaft suchten sie den Einklang zwischen Mensch und Natur und rückten das »subjektive Empfinden« in den Mittelpunkt. »Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt«, heißt es im Manifest der »Brücke«-Künstler, das Ernst Ludwig Kirchner 1906 in Holz schnitt.

Der erste Teil der Sammlungspräsentation zeigt eine Zusammenstellung aus Frauenporträts, gefolgt von ausgesuchten Einzelpräsentationen. Kennzeichnend für die Porträts der expressionistischen Künstler ist nicht die detailgetreue Darstellung vorgegebener Posen, sondern der unverfälschte Ausdruck einer inneren, subjektiven Wahrnehmung. So fanden die Expressionisten ihre »Modelle« in Geliebten, Freunden, Bekannten und den Mitmenschen aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, wie sich gleich zu Beginn der Ausstellung an der Malerei Das Spanische Mädchen (1912) von Alexej von Jawlensky (1864–1941) nachvollziehen lässt. Für die Porträtreihe der »Spanierinnen«, die über mehrere Jahre hinweg entstanden ist, saß oftmals der befreundete Tänzer und Choreograf Alexander Sacharoff in seinen Bühnenkostümen Modell. Zwei Porträts, die Max Kaus (1891–1977) von seiner Frau Gertrud Kant, genannt Turu, angefertigt hat, veranschaulichen die Nähe zwischen Modell und Künstler aufs Eindringlichste: Das Porträt der jungen Turu (Liegende Frau, 1921) ist ein Kennenlernen der jungen Frau, das zwanzig Jahre später entstandene Bild hält ihre Erkrankung fest und bezeugt sein langes Abschiednehmen von ihr. Hingegen rückt sich Erich Heckel (1883–1970) in dem Holzschnitt Männerbildnis (1919) mit abgewandtem nachdenklichem Blick, tiefen Falten und einer Grünfärbung des Gesichts als einen von den Schrecken des überstandenen Ersten Weltkriegs im wahrsten Sinne des Wortes Gezeichneten selbst ins Bild. Der Streifzug durch die Werke der Sammlung Selinka lässt anhand zahlreicher Druckgrafiken und einiger Gemälde erkennen, wie sich die Künstler weniger an einem Abbild der Realität als einem ›Fühlen‹ eines Inhalts orientierten.

Kunstmuseum Ravensburg
geöffnet Di – So 11-18 Uhr, Do 11-19 Uhr
www.kunstmuseum-ravensburg.de

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