Neues Schloss Tettnang – 16. November 1737: Der Maler Andreas Brugger wird geboren

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Neues Schloss Tettnang

16. November 1737: Der Maler Andreas Brugger wird geboren

Am 16. November1737, genau vor 283 Jahren, wurde Andreas Brugger in Kressbronn geboren. Da ahnte noch niemand, dass er einmal ein gefragter Maler höfischer und kirchlicher Kreise sein würde. Seine Werke finden sich in zahlreichen Kirchen und Kapellen Oberschwabens und im Bodenseeraum. Besonders eindrucksvoll und obendrein originell ist ein Gemäldezyklus, der zur Ausstattung im Neuen Schloss Tettnang gehört.

GEFÖRDER VOM GRAFEN MONTFORT
Andreas Brugger stammte keineswegs aus einer Künstlerdynastie: Er war der Sohn eines Fuhrknechts und Weinbauern und begann seine Lehre vermutlich bei dem oberschwäbischen Maler Joseph Esperlin in Scheer. Graf Ernst von Montfort, der künstlerisch begabte Landeskinder großzügig unterstützte, schickte ihn 1755 zur Ausbildung nach Wien. In der dortigen Werkstatt des Malers Franz Anton Maulbertsch aus Langenargen sollte er seine „Kunst Beszer Practiciert machen“. 1764 zurück am Bodensee stellte Brugger sein Können eindrucksvoll unter Beweis. Er war so erfolgreich, dass er sich einige Jahre später einen Studienaufenthalt in Rom leisten konnte.

DAS VAGANTENKABINETT
Nach der Rückkehr aus Italien beschäftigte ihn Graf Franz Xaver von Montfort gleich mit mehreren Arbeiten im neuen Tettnanger Schloss. Andreas Bruggers Gemälde für das so genannte Vagantenkabinett sind heute eine Rarität. Zusammen mit dem Fürstenzimmer gehörte es zu den Appartements, in denen die wichtigen Gäste untergebracht wurden. In repräsentativen, ausdrucksstarken Bildern schildert der Maler im Kabinett Menschen aus dem Fahrenden Volk: Spielleute, Schausteller, Händler, Handwerker.

Tettnang, Vagantenkabinett. Foto © SSG / Guenther Bayer

GUCKKASTENMANN UND MARKETENDERIN
Vagabunden, die ihre Heimat verloren hatten oder nie sesshaft waren, bevölkerten damals vor allem während der Jahrmärkte die Plätze und Straßen der Städte. Sie brachten besondere Spezialitäten mit – wie die Zitronenverkäuferin im Gemälde Bruggers – und unterhielten wie der Guckkastenmann mit kleinen Sensationen. Die Marketenderin gehörte in den Söldnerheeren zum Tross, der den Soldaten folgte. Ihr Dreispitz weist auf diesen militärischen Zusammenhang hin. Als selbstständige Händlerin kümmerte sie sich um alle Dinge des täglichen Lagerlebens. Ihr Leben außerhalb der sonst für Frauen geltenden Regeln verschaffte ihr oft einen zweifelhaften Ruf. Und auch Brugger lässt sie verführerisch das Glas erheben.

IDEAL DES EINFACHEN LEBENS
Die neun großen Gemälde, die Andreas Brugger um 1770 für das Tettnanger Vagantenkabinett geschaffen hat, sind idealisierte Darstellungen, keine Abbildungen der tatsächlichen Realität. Für die Hofgesellschaft waren die „Fahrenden Leute“ ein malerisches Gegenbild zur höfischen Etikette und vielleicht sogar ein Bild der Sehnsucht nach freierem Auftreten. Einige der Gemälde wirken fast wie Porträts; womöglich zeigen sie Damen und Herren der Hofgesellschaft, die sich verkleidet haben – ein beliebter Zeitvertreib im höfischen Alltag des 18. Jahrhunderts.

SERVICE UND INFORMATION
Das Neue Schloss Tettnang ist aktuell wie alle Monumente des Landes wegen der hohen Infektionszahlen der Corona-Pandemie bis mindestens Montag, 30. November 2020 geschlossen.

Neues Schloss Tettnang
Montfortplatz 1
88069 Tettnang

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