18. November 1843: Annette von Droste-Hülshoff erwirbt das Fürstenhäusle

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18. November 1843: Annette von Droste-Hülshoff erwirbt das Fürstenhäusle

Am 18. November 1843, heute vor 177 Jahren, schrieb Annette von Droste-Hülshoff aus Meersburg einen langen Brief an ihre Freundin Elise Rüdiger in Münster. Begeistert berichtete die Dichterin davon, dass sie ein kleines Gartenhaus mit Weinberg hoch über dem Bodensee ersteigert hat. Detailliert schilderte sie ihr Meersburger Fürstenhäusle, das sie als persönlichen Rückzugsort herrichtete. Das „hübsche, massiv gebaute und bewohnbare Gartenhaus“ erinnert noch heute an seine berühmte Besitzerin.

FÜR 400 TALER EIN FÜRSTENHAUS
1843 hörte Annette von Droste-Hülshoff von einer Auktion, bei der das ehemalige Rebhäuschen des Konstanzer Fürstbischofs versteigert werden sollte. Die badischen Markgrafen, in deren Besitz sich das kleine Gebäude seit der Säkularisation 1803 befand, wollten es veräußern. Bei der Versteigerung zeigte sich niemand der Anwesenden interessiert: Es kam ihnen vorher zu Ohren, dass die Dichterin das Haus erwerben wolle. So blieb es bei einem sehr günstigen Preis, den Annette von Droste-Hülshoff nur dank ihrer schriftstellerischen Arbeit und einer Leibrente des Bruders bezahlen konnte. Von ihrem Verleger Cotta erhielt sie ein respektables Honorar für ihren zweiten Gedichtband – etwas Besonderes, denn in der Mitte des 19. Jahrhunderts war es für eine Frau ungewöhnlich, eigenes Geld zu verdienen.

„KURZ, ICH SAGE IHNEN, ES IST ALLERLIEBST“
„…man geht mit einer hübsch geschweiften, etwa acht Stufen hohen Steintreppe in den untern Stock, der nur das Paradezimmer und die Küche enthält. Ersteres ein Gemach von angenehmer Größe mit einem Erker, in dem der Kanapee mit Tisch und einigen Stühlen hinlänglich Raum haben … aus der Küche führt eine Wendelstiege und Fallthür in den oberen Stock, meine eigentliche Dachshöle oder (Schwalbennest ) – Alles mit Zierlichkeit gemacht, die Stiege hübsch gewunden, die Fallthür wie Getäfel geschnitzt, und sich in die Wand fugend, so dass sie bey Tag nicht bemerkt, sondern für eine Verzierung gehalten wird;… Hieran stößt dann mein eigentlichens Quartier, ein heizbares Wohnzimmer … und ein Schlafzimmerchen, grade groß genug für das Nöthige, Bett, Waschtisch, Schrank…“

Fürstenhäusle Meersburg. Foto © Markus Schwerer / SSG

RÜCKZUGSORT DER DICHTERIN
Die Schriftstellerin beschrieb das Fürstenhäusle als „ein kleines, aber massiv aus gehauenen Steinen und geschmackvoll aufgeführtes Haus, was vier Zimmer, eine Küche, großen Keller, und Bodenraum enthält.“ In ihren Briefen schilderte sie, wie sie das Haus einrichten, umgestalten und nutzen wollte. Sie ließ es auch von außen herrichten und anstreichen. Die Freiin von Droste zu Hülshoff wohnte allerdings nie wirklich dort: Sie zog sich gerne dorthin zurück, konnte „bei sich“ sein und die fantastische Aussicht auf den Bodensee und die gegenüberliegenden Schweizer Berge genießen. Ihren festen Wohnsitz hatte sie weiterhin bei ihrer Schwester Jenny und ihrem Schwager Joseph Freiherr von Laßberg im Alten Schloss Meersburg.

BESUCHE IN MEERSBURG
Geboren wurde Annette Freiin von Droste-Hülshoff 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster in Westfalen. Nachdem ihre ältere Schwester Jenny verheiratet und mit ihrem Ehemann an den Bodensee gezogen war, besuchte die Dichterin des Öfteren die Familie in Meersburg. In der Stadt fühlte sich von Droste-Hülshoff wohl: Sie hielt sich von 1841 bis zu ihrem Tod im Jahr 1848 häufig dort auf. Damals war sie bereits berühmt: Ihr bis heute bekanntestes Werk, die Novelle „Die Judenbuche“ erschien 1842 im „Morgenblatt für gebildete Stände“, einer führenden Zeitschrift, herausgegeben vom Verleger Cotta in Stuttgart. Die Aufenthalte in Meersburg gehören mit zu ihren produktivsten Schaffenszeiten.

NACHFAHREN RICHTEN MUSEUM EIN
Annette Freiin von Droste-Hülshoff starb 1848. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweiterten ihr jüngster Neffe Carl von Droste-Hülshoff und seine Frau Marie das Häuschen. Sie ließen an das bisherige Gebäude einen längeren Trakt anfügen und verlegten den Eingang. Im Anbau befindet sich heute das Besucherzentrum. Etwa hundert Jahre nach ihrem Ableben erbte ihr Urgroßneffe Heinrich von Bothmer das Anwesen. Seine Frau Helen kümmerte sich um das Droste-Museum im Fürstenhäusle, das Marie bereits 1923 einrichtete. Helen griff auf weitere Leihgaben und Erinnerungsstücke der Verwandtschaft zurück und betreute über viele Jahre den Nachlass der Dichterin, der bis heute im Fürstenhäusle gezeigt wird.

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