Frauentag am 8. März: Angelika Kauffmann, große Malerin und Star der Kunstszene

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Neues Schloss Tettnang

Frauentag am 8. März: Angelika Kauffmann, große Malerin und Star der Kunstszene

Angelika Kauffmann zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen des Klassizismus. Die Schweizerin malte für Goethe, für den späteren russischen Zaren und für den Papst. Zum Internationalen Tag der Frauen am 8. März erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg an Angelika Kauffmann – „vielleicht die kultivierteste Frau in Europa“. Vier frühe Porträts von der Hand der großen Malerin hängen heute im Neuen Schloss Tettnang.

Selbstporträt von Angelika Kauffmann, 1784. Das Bild befindet sich im Besitz der Neuen Pinakothek, München. Fotorechte: Wikimedia Commons, gemeinfrei


WIE DER VATER, SO DIE TOCHTER
Angelika Kauffmann wurde am 30. Oktober 1741 in Chur geboren. Ihre Mutter Cleophea Lutz war Hebamme, ihr Vater Joseph Johann Kauffmann Maler für Porträts und Fresken. Schon früh förderte das Ehepaar die einzige Tochter. Die Mutter unterrichtete sie in Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch. Vom Vater lernte sie Lesen und Schreiben, Musik und Malen. Angelika galt früh als hochbegabtes Wunderkind – mit 12 Jahren malte sie ihr erstes Selbstporträt. Die Jugend verbrachte Angelika mit den Eltern in Italien; nach dem Tod der Mutter im Jahr 1757 begleitete sie ihren Vater auf seinen Auftragsreisen.

EIN KÜNSTLERDUO AM BODENSEE – PORTRÄTS IN TETTNANG
Von 1757 bis 1759 arbeitete die Künstlerfamilie Kauffmann im Bodenseeraum. Dort entstanden die ersten eigenen Auftragsporträts der Malerin, die heute wieder im Neuen Schloss Tettnang zu sehen sind. Von sechs Bildern, in denen man die Urheberschaft der Angelika Kauffmann erkennt, hängen vier im Tafelzimmer des Neuen Schlosses: Graf Franz Xaver, Gräfin Sophia, die gräflichen Eltern Graf Ernst und Gräfin Maria Antonia. Die eindrucksvollen Gemälde gehören zu den Höhepunkten eines jeden Besuchs im Neuen Schloss Tettnang! Neben den Mitgliedern der gräflichen Familie von Montfort porträtierte sie auch den Fürstbischof von Konstanz, Franz Konrad von Rodt.

IN ITALIEN NIMMT DIE KARRIERE FAHRT AUF
Nach mehreren Jahren am Bodensee zog das Vater-Tochter-Team wieder nach Italien. Wie für fast alle Künstlerinnen und Künstler der Zeit war Italien das Land, in dem man vor allem die Kunst der Antike studierte – das große Ideal. Angelika Kauffmanns Ruhm wuchs zusehends: Innerhalb weniger Jahre wurde sie Mitglied renommierter Malerakademien, der von Bologna und der von Rom. Immer mehr spezialisierte sie sich auf Porträts Italienreisender. 1766 schließlich kam ein Wechsel: Auf Empfehlung siedelten Tochter und Vater nach London über.

LONDON UND ROM
Noch im selben Jahr eröffnete Angelika Kauffmann ein repräsentatives Atelier in London. Auch in England machte sich die Malerin rasch einen Namen. 1768 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy – neben Mary Moser war sie die einzige Frau unter den 34 Kunstschaffenden. 1781 heiratete Angelika Kauffmann den venezianischen Maler Antonio Zucchi. Der ältere Künstler erkannte die weitaus größere Begabung seiner berühmten jungen Frau und wurde zu ihrem Assistenten und Manager. Ein Porträt, geschaffen von der Kauffmann, war hochbegehrt – und ihre Honorare lagen in der absoluten Spitzengruppe der damaligen Kunstszene. Im darauffolgenden Jahr ließ sich das nun vermögende Paar in Italien nieder. Angelika Kauffmann nahm ganz selbstverständlich den prominenten Platz unter den führenden Malern Italiens ein, der ihr zukam. Im Auftrag von Papst Pius VI. malte sie ein Altarbild, der spätere Zar Paul I. erwarb Historiengemälde von ihr.

Kauffmanns Atelier und Salon wurde eine viel besuchte Anlaufstelle für deutsche Rom-Reisende. Vor allem für den Weimarer Kreis um Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder und Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Mit Goethe verband sie eine enge Freundschaft. Der Dichter las ihr die Iphigenie auf Tauris vor, Kauffmann malte ihm im Gegenzug Illustrationen für das Schauspiel. Johann Gottfried Herder bezeichnete sie begeistert als „vielleicht die kultivierteste Frau in Europa“. 1807 starb Angelika Kauffmann in Rom, zwölf Jahre nach ihrem Ehemann. Ihre Grabinschrift besagt, dass sie eine andere Grabstätte verdiene: Die große Malerin sollte eigentlich im Pantheon, neben anderen bedeuteten Künstlern wie Raffael, begraben sein – Angelika Kauffmann zog es jedoch vor, mit ihrem Ehemann beerdigt zu werden. Die Grabinschrift zeugt von der Bedeutung der Künstlerin – und von ihrem Selbstbewusstsein. Denn die Malerin hat den Text für ihren Grabstein selbst verfasst.

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