Völkerkundemuseum St.Gallen – «Klimt und Freunde»

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27. März bis 25. Juli 2021

Völkerkundemuseum St.Gallen – «Klimt und Freunde»

Zu seinem 100jährigen Bestehen beleuchtet das HVM das Wiener Kunstschaffen um 1900. Wien gehörte bereits zu jener Zeit zu den Metropolen Europas und war sowohl ein Zentrum der Wissenschaften, Musik und Literatur wie auch der Architektur und der Künste. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Werke des österreichischen Ausnahmekünstlers Gustav Klimt und seiner Weggefährten. Gleichzeitig schlägt die Ausstellung eine Brücke nach St. Gallen, damals eine boomende Stickerei-Stadt, in die der Jugendstil ebenfalls Einzug gehalten hatte. Und ganz nebenbei beleuchtet sie damit die Entstehungszeit des HVM.

«Klimt und Freunde» bietet einen facettenreichen Bogen, der fünf Module umspannt. Den Beginn macht die «Wiener Secession», die Künstlerbewegung, die machtvoll den Beginn der Wiener Moderne markiert. Das nächste Kapitel ist Gustav Klimt (1862–1918) gewidmet, der Leitfigur dieser Bewegung. Er steht wie kein zweiter für Jugendstil, Ornament und Eros, ist berühmt für sein allegorisches Werk, seine prachtvollen Bildnisse für die gehobene Wiener Gesellschaft und seine Landschaften. Nach 1900 galt sein Interesse mehrheitlich der Darstellung der Frau und des nackten weiblichen Körpers. Seine erotischen Zeichnungen stehen denn auch im Zentrum dieses Moduls, zusammen mit dem «Bildnis Joseph Pembaur» und der «Italienischen Gartenlandschaft».

Blick in die Ausstellung: Klimt und Freunde. St. Gallen. Foto © HVMSG – Urs Bucher/ubupix

Wichtige Akzente für die Wiener Kunst um 1900 setzte auch der Japonismus, das dritte Modul der Ausstellung. Er feierte gegen Ende des 19. Jahrhundert im Jugendstil einen Höhepunkt. Die Begeisterung für alles Japanische wirkte sich auf die bildenden Künste, auf Architektur, Kunstgewerbe, Inneneinrichtung und Mode aus. Besonders die japanischen Farbholzschnitte offenbarten den Künstlern neue Perspektiven auf ihre Sujets und stellten bisherige Traditionen auf den Kopf.

In einem weiteren Modul erlaubt die Ausstellung mit Arbeiten von Josef Engelhart, Maximilian Kurzweil und weiteren Gründungsmitgliedern der Wiener Secession einen vertieften Einblick in die Wiener (Flächen-)Kunst um 1900, wobei auch der Vereinigung nahestehende Künstlerinnen wie Broncia Koller-Pinell mit Werken vertreten sind. Ihre Ausbildungsmöglichkeiten waren noch sehr beschränkt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Wiener Moderne wurde lange unterschätzt. Gleichzeitig spannt die Ausstellung den Bogen bis hin zum österreichischen Frühexpressionismus. Herausragende Werke Egon Schieles oder Oskar Kokoschkas illustrieren die neue Bild- und Formensprache der jungen Generation, die von Gustav Klimt gefördert wurde. Sie wandte sich zusehends von der sinnlichen Schönheit des ornamental-dekorativen Jugendstils ab und warf einen Blick hinter die Fassade, auf das Abgründige der menschlichen Existenz.

Die Einheit von Kunst und Leben war erklärtes Ziel des Jugendstils. Alle Bereiche des täglichen Lebens sollen gestalterisch im Sinne eines Gesamtkunstwerks vereint werden. Die «Wiener Werkstätte», einer Produktionsgemeinschaft bildender Künstler/-innen, setzte dieses Vorhaben programmatisch und erfolgreich um. Sie produzierte Möbel, Textilien und allgemeine Haushaltsgegenstände wie Geschirr, Glaswaren, Besteck und Tafelaufsätze, aber auch Schmuck und Modeartikel. Auf das Material, die Ausführung und das Erscheinungsbild wurde großer Wert gelegt. Die Wiener Werkstätte hatte auch Verbindungen zur Ostschweiz – die Ausstellung im HVM zeigt sie auf.

Dem Hauptwerk der Ausstellung, Klimts Italienische Gartenlandschaft, ist eigens ein großer Saal gewidmet. Mit Licht, Farbe, Musik und digitalen Groß-Projektionen sollen die Besucher/-innen in ruhiger, meditativer Atmosphäre in die fantastischen Bildwelten Klimts eintauchen können. Dieser Raum befindet sich im Anschluss an einen Korridor, in dem Landschaften weiterer Künstler/-innen zu sehen sind, die zum Teil mit ausgewählten Arbeiten der damals zentralen St.Galler Künstlerpersönlichkeit, Martha Cunz (1876–1961), gegenübergestellt werden.

Rahmenprogramm und Begleitpublikation
Vertiefende Einblicke in die Ausstellung bietet das Rahmenprogramm, dessen Daten wegen der Corona-Pandemie allerdings nur vorläufig sind. Das aktuelle Programm findet sich auf www.hvmsg.ch. Die Vernissage – das steht jetzt schon fest – fällt leider aus. Dafür erscheint auf Ende März im Verlag FormatOST eine reichbebilderte, 416 starke Begleitpublikation. Sie kostet 38 Franken und kann an der Museumskasse sowie im Buchhandel bezogen werden.

Quelle:
Historisches und
Völkerkundemuseum
Museumstrasse 50
CH-9000 St.Gallen
info@hvmsg.ch

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