1. August 1718: Geburtstag von Abt Kloos, Bauherr des Bibliothekssaals

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Kloster Schussenried

1. August 1718: Geburtstag von Abt Kloos, Bauherr des Bibliothekssaals

Am 1. August 1718, heute vor genau 303 Jahren, wurde Abt Nikolaus Kloos geboren. Er ist der Bauherr und Ideengeber des prächtigen Bibliothekssaals von Kloster Schussenried. In dem barocken Raumwunder stehen lebensgroße weiße Skulpturen aus Alabaster für den rechten, katholischen Glauben ‒ als Verteidiger des Christentums stehen sie den fremden und exotischen „Irrgläubigen“ gegenüber. Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ beleuchten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Außergewöhnliche in den Monumenten.

EIN BAROCKES JUWEL
Lichte Farben durchstrahlen den Raum, der die göttliche Weisheit verherrlicht ‒ der Bibliotheksaal ist der architektonische Höhepunkt von Kloster Schussenried. In dem barocken Juwel Oberschwabens wirken alle bildenden Künste zusammen: Architektur, Skulptur und Malerei lösen die Bücherwände elegant geschwungen auf. Abt Nikolaus Kloos war Bauherr und Ideengeber für die Gestaltung des Bibliothekssaals ‒ inklusive des imposanten Bildprogramms. Heute vor genau 303 Jahren, am 1. August 1718, wurde der spätere Abt in Biberach an der Riß geboren.

ABT NIKOLAUS KLOOS
Johann Peter Kloos war der Sohn eines Kaufmanns. Den Namen Nikolaus nahm er 1737 beim Eintritt in Kloster Schussenried an. Nach einem Theologiestudium in Dillingen arbeitete Kloos sich allmählich durch die Klosterhierarchie zum Prior empor. Als Vertreter des Abts Magnus Kleber, der von 1750 bis 1756 regierte, begleitete er aktiv den barocken Neubau der Klosteranlage. Nach dem Tod seines Vorgängers wurde er im selben Jahr zum Abt des Klosters Schussenried gewählt. Unter Nikolaus Kloos’ Führung erlebte das Prämonstratenserkloster eine Glanzzeit. Zahlreiche Geistliche traten bei; das Kloster entwickelte sich zudem zu einem touristischen Ziel.

Bad Schussenried. Foto © SSG / Guenther Bayerl

DER BIBLIOTHEKSSAAL
Die Ideen für die Ausgestaltung des prächtigen Bibliothekssaals stammten von Abt Nikolaus Kloos. Die Fresken entstanden zwischen 1755 und 1757. Niemand Geringeres als der bedeutende Künstler Franz Georg Hermann schuf die Malereien; für zahlreiche Abteien und Kirchen schuf er eindrucksvolle Kunstwerke. Bis 1766 fertigte der Stuckateur Fidelis Sporer die 24 lebensgroßen Skulpturen aus Alabaster. Die kunstvoll gearbeiteten Figuren stehen vor den Doppelsäulen aus rötlichem Stuckmarmor. Acht Skulpturen symbolisieren den katholischen Glauben: Es sind Kirchenlehrer und weitere geistliche Autoritäten. Sie verteidigen die katholische Lehre sinnbildlich gegen das Ketzertum und Häresien, von der Kirchenmeinung abweichende Lehren wie den Islam.

VERTEIDIGUNG GEGEN DEN ISLAM
Die sogenannten „Irrlehren“ stehen den lebensgroßen Kirchenlehrern gegenüber: Jede Irrlehre wird durch zwei Putten, kleine Engel, dargestellt. Die verschiedenen Größen der Figuren stehen für die Bedeutung des jeweiligen Glaubens: Die Putten sind kleiner und damit den Kirchenlehrern unterlegen. Den Islam verkörpern zwei Putten mit Krummsäbel und Turban, typische Attribute der Osmanen. Noch 1683 belagerten die Osmanen Wien. In den Augen der Kirche stellten sie auch gut 80 Jahre nach dem Ende der Belagerung noch eine Gefahr da, gegen die der christliche Glaube verteidigt werden musste.

FREMDE AUS EUROPA UND DER GANZEN WELT
Andere fremde Religionen und Glaubensrichtungen, gegen die man sich ‒ bildlich gesprochen ‒ zur Wehr setzen wollte, sind das Judentum, die Lutheraner und die Calvinisten. Als fremd und falsch galten weiterhin die Aufklärer, Utraquisten (eine Partei der Hussiten), Freimaurer, Epikuräer und Pneumatomachen (griechisch für „Bekämpfer des Heiligen Geistes“). Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass alle „Ketzer“ in Mimik und Gestik verzweifelt wirken, als wären sie gegen den katholischen Glauben chancenlos.

THEMENJAHR „EXOTIK. FASZINATION UND FANTASIE“
Mit dem Themenjahr „Exotik. Faszination und Fantasie“ erkunden die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in diesem Jahr die Wege von duftenden Gewürzen, kostbar gearbeitetem Kunsthandwerk und außergewöhnlichen Pflanzen sowie weiteren Waren nach Europa ‒ von der Heuneburg und der Zeit der Kelten bis zur Sammlung Domnick mit ihren abstrakten Kunstwerken des 20. Jahrhunderts. Die Sucht und Sehnsucht nach Exotik bereicherte insbesondere die höfische Inszenierung des Barock um viele Glanzpunkte. Auch die Kehrseite der Medaille wird beleuchtet: Die europäische Neugier und Besitzgier, der Wissens- und Expansionsdrang führten überall auf der Welt zu Gewalt und Ausbeutung von Mensch und Natur.

SERVICE UND INFORMATION
ÖFFNUNGSZEITEN
Kloster Schussenried
Di‒Fr 10:00‒13:00 und 14:00‒17:00 Uhr
Sa, So 10:00‒17:00 Uhr

AUSSTELLUNGEN
Laufzeit: bis 6. März 2022

„Faszination Lego!“
in Kooperation mit den Klötzlebauern Ulm
Ausstellungsort: Magnus-Kleber-Saal

„Tricture 3D – Komm ins Bild“
Ausstellung „Tricture 3D – Komm ins Bild!“
Eine Ausstellung der eli – eine lose idee – GmbH in Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Ausstellungsort: Konventbau

KLOSTER SCHUSSENRIED
Neues Kloster 1
88427 Bad Schussenried
WWW.KLOSTER-SCHUSSENRIED.DE
WWW.SCHLOESSER-UND-GAERTEN.DE

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